20 Fragen an ... Laura Hertel, Brautmodendesignerin, Bloggerin und Autorin

In der Rubrik "Frauen für Frauen" möchten wir dir inspirierende Frauen vorstellen, die spannende Produkte und Services für andere Frauen anbieten. Mit 20 Fragen spüren wir ihrem Arbeitsalltag nach, lassen uns Tipps geben und sammeln Inspirationen.

Dieses Mal mit der wunderbaren Laura Hertel, Brautmodendesignerin aus Leipzig, auch bekannt als Tagträumerin auf Instagram und mit eigenen Modeblog sowie Autorin von mehreren Büchern zum Thema Nähen.

Laura Hertel

1. Liebe Laura, du arbeitest als Modedesignerin mit eigenem Atelier in Leipzig. Was genau bedeutet das - was bietest du Frauen an?

In meinem Leipziger Atelier entwerfe ich individuelle, moderne Brautkleider mit Inspirationen aus der Vergangenheit, die hier vor Ort von mir und meinen Mitarbeiterinnen gefertigt werden. Dadurch können unsere Kundinnen nicht nur aus unserer liebevollen Brautmodenkollektion auswählen, sondern es können auch eigene Wünsche und Ideen zum Trau(m)kleid umgesetzt werden.

2. Du schreibst außerdem Bücher und betreibst einen eigenen Blog. Wie muss man sich deinen Arbeitsplatz vorstellen?

Ich bin sehr glücklich, im neuen Atelier mein eigenes Büro als kreatives Refugium gleich neben unserer Werkstatt zu haben. Im Sommer bin ich meistens mit Anproben oder der Arbeit an Brautkleidern beschäftigt, aber im Herbst und Winter finde ich mehr Zeit fürs Schreiben, Computerarbeit und nutze für meine Bücher auch meine neue Foto-Ecke mit Hintergrund und Beleuchtung im Büro. Außerdem arbeite ich hier an unserer neuen Brautmodenkollektion, also versinkt mein Schreibtisch zeitweise unter Stoffproben, Moodboards und Entwürfen.

3. Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Frisch und möglichst entspannt starte ich gegen um 10 im Atelier in den Tag. Zunächst bespreche ich mit meinen zwei Mitarbeiterinnen den aktuellen Stand und die Aufgaben für den Tag. Dann ziehe ich mich meistens für eine Weile ins Büro zurück und beantworte Mails, schreibe Rechnungen und tätige Überweisungen - langweilig, ich weiß! (; Der restliche Tag besteht im Sommer aus Anproben, Beratungen und der Arbeit an unseren Brautkleidern oder der neuen Kollektion.

Schleifenfänger Atelier

4. Mit welchem “Handwerkszeug” arbeitest du?

Das Maßband ist mein wichtigstes Tool und baumelt meistens um meinen Hals! Ebenso wichtig sind allerdings meine Lieblingsscheren, Stecknadeln und unsere geliebte Yuki-Industrienähmaschine, um die wir uns immer streiten, haha. In Zeiten von Mails, Social Media und Co. gehören aber auch mein Handy und mein Laptop zu meinem Handwerkszeug.

5. Mit welchen drei Worten würdest du deine Arbeit spontan beschreiben?

Liebevoll, vintage-inspiriert und natürlich.

6. Was unterscheidet dein Atelier und deine Arbeit von anderen Designerinnen und Ateliers im Brautmodenbereich?

Wichtig ist es mir, jedes Jahr eine neue Kollektion anzubieten, die unsere Kundinnen inspirieren soll und ebenso wie unsere Maßanfertigungen hier im Atelier entworfen und gefertigt wird. Das unterscheidet uns von einer klassischen Maßschneiderei. Kundinnen, die sich mehr Individualität wünschen als bei einem Kleid "von der Stange", aber Respekt vor einer individuellen Maßanfertigung haben, sind bei uns wunderbar aufgehoben, weil sie die Kollektionskleider vorher anprobieren können. Jedes Modell wird hier in Leipzig von ausgebildeten Maßschneiderinnen mit Liebe zum Detail aus ausgewählten Materialien gefertigt. Dadurch lassen sich beispielsweise auch Möglichkeiten finden, um das Kleid nach der Hochzeit noch einmal zu tragen - was ich persönlich sehr schön finde.

7. Welchen Weg bist du bisher gegangen, um als Modedesignerin erfolgreich arbeiten zu können? 

Nach dem Abitur habe ich hier in Leipzig eine klassische Maßschneiderlehre absolviert, um das Handwerk erst einmal von Grund auf zu lernen. Danach folgte ein vierjähriges Modedesign-Studium in Schneeberg, wobei ich zum Auslandssemester im schwedischen Boras war. Ich glaube, ich habe meinen Mietvertrag für den ersten Laden eine Woche nach meine Verteidigung unterschrieben - und durch die praktische Arbeit mit unseren Bräuten seither noch einmal so viel dazu gelernt!

8. Was treibt dich täglich an und gibt dir Kraft für den Tag?

Ich finde es großartig, meinen Tag selbst planen zu können und eine Arbeit zu haben, die mich immer wieder inspiriert. Aus der Begegnung mit unseren lieben Bräuten ziehe ich unglaublich viel Kraft, aber auch aus ganz ruhigen kreativen Phasen, in denen ich einfach abtauchen darf.

9. Arbeitest du in einem Netzwerk oder eher allein? Wenn in einem Netzwerk, wer gehört typischerweise dazu?

Ich arbeite meistens allein bzw. mit meinen Maßschneiderinnen zusammen, habe aber mittlerweile zahlreiche Hochzeitsdienstleister-Freunde, mit denen ich unglaublich gern kooperiere, beispielsweise für Fotoshootings. Außerdem ist es toll, unseren Bräuten wunderbare Dienstleister ans Herz legen zu können, mit denen sie ihren Hochzeit entspannt und in ihrem Stil gestalten können. Neben meinem Hochzeits-Netzwerk tausche ich mich aber auch gern mit anderen selbständigen Ladies wie dir, liebe Anne, aus - weil auch dieser branchenübergreifende Austausch sehr bereichernd für mich ist.

10. Was bereitet dir an deiner Arbeit am meisten Freude?

Wenn eine Braut zur letzten Anprobe ihr fertiges Kleid sieht und bereits anfängt, glücklich umherzutanzen: dann weiß ich, ich habe alles richtig gemacht. Und natürlich liebe ich es, wenn mir die Bräute am Ende Hochzeitsfotos zuschicken. Es ist so schön, unser fertiges Werk in Aktion zu sehen und Teil eines so besonderen Tages zu sein.

11. Was ist das schönste Erlebnis, das du bisher mit deinem Atelier Schleifenfänger erlebt hast?

Eine liebe Braut war so begeistert von unseren Kleidern, dass sie nicht nur ihr Standesamtkleid, sondern ein Jahr später auch noch ein Kleid für die kirchliche Trauung bei uns bestellt hat. Im Jahr darauf kam sie gemeinsam mit ihrer Schwester wieder, die dann ebenfalls in einem Schleifenfängerkleid geheiratet hat. Solche Geschichten machen mich unglaublich glücklich und sind die tollste Bestätigung für unsere Arbeit!

Laura Hertel

12. Welche Herausforderungen begegnen dir im Arbeitsalltag? Und wie kommst du mit ihnen klar?

Im ersten Jahr war ich komplett allein und fand es extrem herausfordernd, die kreative Arbeit, die Kundenberatung und die Umsetzung der Kleider unter einen Hut zu bekommen. Seit ich meine Mitarbeiterinnen habe, bin ich bei der Umsetzung sehr entlastet und kann mich wieder auf die Dinge besinnen, die mir am meisten Freude bereiten. Aber ein Team zu leiten (und zu bezahlen!), Aufgaben zu verteilen und zu schauen, dass alle glücklich sind, kann auch herausfordernd sein. Außerdem ist es manchmal gar nicht so einfach, mir Zeiten nur für mich und meine kreative Arbeit freizuschaufeln. Es ist auf jeden Fall ein stetiger Prozess, aber wir alle werden immer besser darin, uns zu strukturieren.

13. Was war das schwierigste Erlebnis, das du bisher in deiner Laufbahn erlebt hast?

In fast vier Jahren (und bei etwa 40 Kleidern pro Jahr) hatte ich ein einziges Mal den Fall, dass eine Kundin ihr (fast fertiges) Kleid nicht mehr haben wollte. Das war schon hart, aber ich habe daraus gelernt. Mittlerweile höre ich noch mehr auf mein Gefühl und lehne auch Aufträge ab, wenn ich das Gefühl habe, es passt einfach nicht.

14. Der Schwerpunkt deines Ateliers liegt auf Brautmode. Wie kam es dazu?

Ich habe 2013 selbst geheiratet und einfach kein Kleid gefunden, das ich mir an mir vorstellen konnte. Ich wollte ein schlichtes und doch besonderes Brautkleid haben, das von den 60er Jahren inspiriert und doch modern sein sollte. Hinzu kommt, dass ich knapp 1,90 groß bin und mir Kleider von der Stange noch nie gepasst haben. Also entschied ich mich, mein Kleid selbst zu nähen. Der besondere Zauber von Brautkleidern hat mich seither nicht mehr losgelassen und so entschied ich mich nach meinem Studium, auch beruflich diesem wunderbaren Thema nachzugehen.

15. Was ist dein heißer Tipp für frisch verlobte Frauen, die sich gerade auf ihre Hochzeit vorbereiten? 

Gestaltet eure Hochzeit so, wie es zu euch passt und euch glücklich macht. Lasst euch nicht zu sehr hineinreden. Beim Thema Hochzeit poppen verrückterweise immer noch haufenweise Erwartungen bei noch so entfernten Familienmitgliedern auf. Wenn ihr nach der Trauung ein Barbecue im Park veranstalten wollt: macht es! Wenn du ein kurzes, farbiges Kleid tragen willst und der Bräutigam eine kurze Hose anziehen möchte: macht das! Und wenn ihr nur zu zweit auf Island heiraten wollt: macht auch das! Es ist EUER Tag und der gehört euch ganz allein.

16. Was hilft deiner Erfahrung nach am besten gegen den “Hochzeitsstress”, den die Vorbereitung und Planung für die Braut mit sich bringt?

Entspannen und einen Gang zurückschalten, zum Beispiel beim Yoga oder einer Meditation. Außerdem finde ich es immer super, sich Listen zu schreiben: was ist noch zu tun? Was davon ist wirklich wichtig und was "nice to have"? Das hilft, den Fokus wieder zu finden bei all den Pinterest-Inspirationen, guten Ratschlägen und echten To-Dos.

17. Wie kommt es, dass du ausgerechnet in Leipzig lebst und arbeitest?

Ich komme aus Leipzig und bin ganz glücklich, dass meine komplette Familie und die Familie meines Mannes hier lebt. Ich bin ein absoluter Familienmensch und finde es wunderbar, alle in der Nähe zu haben. Auch unsere Freunde und das besondere Flair von Leipzig tragen dazu bei, dass es einfach meine Herzensstadt ist und bleibt und ich immer wieder glücklich bin, hierher zurückzukehren.

Schleifenfänger Atelier

18. Was gefällt dir an Leipzig in Bezug auf deine Arbeit besonders gut?

Es gibt so viele kreative Unternehmerinnen und Unternehmer, mit denen man sich wunderbar austauschen kann. Ich finde es sehr inspirierend zu sehen, was andere auf die Beine stellen - sei es ein neues Café oder Ladengeschäft oder auch die Selbständigkeit mit einem Onlineshop. Interessanterweise ist Leipzig noch klein genug, um innerhalb dieser "Szene" viele zu kennen und ihren Weg zu verfolgen.

19. Was ist deine Vision für die nächsten fünf Jahre mit Schleifenfänger?

Ich fände es toll, dauerhaft zwei oder drei Schneiderinnen einen Full-Time-Job bieten zu können, damit die Umsetzung unserer Brautkleider-Anfertigungen im eigenen Atelier auch weiterhin gesichert ist. Gleichzeitig arbeite ich gerade mit einer kleinen Produktionsstätte im Erzgebirge zusammen, um dort "Ready-to-wear"-Einzelteile und perspektivisch auch Outfits für Brautjungfern umsetzen zu können. Ich bin selbst regelmäßig Gast auf Hochzeiten und sehe auch hier Potenzial für tolle, individuelle Outfits im Schleifenfänger-Stil. Zudem fände ich es schön, auch mit Geschäften außerhalb Leipzigs zusammenzuarbeiten, um noch mehr Bräute aus ganz Deutschland ansprechen zu können. Und ich hätte gern etwas Unterstützung in der Kundenberatung und im operativen Geschäft, um mich noch mehr kreativen Aufgaben und perspektivisch auch meiner Familie etwas mehr widmen zu können.

20. Welche Botschaft möchtest du abschließend in die Welt bringen?

Jede Frau ist auf ihre einzigartige Art und Weise wunderschön. Es macht mich sehr glücklich, wenn eine Braut in ihr maßgefertigtes Outfit schlüpft und ihre eigene Schönheit genau so sehen kann, wie ich sie sehe. Das liebe ich wirklich am allermeisten an meinem Job!

Merci, liebe Laura und weiterhin viel Erfolg!

www.schleifenfaenger.de

Alle Bilder Copyright @ Laura Hertel


Neuerer Post