Schwangerschaft: Übelkeit, Depressionen und Frustration

Warum das Bild von der rundum glücklichen Schwangeren nur auf einen Teil der Frauen zutrifft und wie du dir in dieser Zeit Gutes tun kannst, wenn es dir schlecht geht

Schwanger: Die Hormone drehen durch

Wenn der Körper ein Kind in sich trägt, und sei es am Anfang noch so klein, stellt er sich darauf natürlich gebührend ein. Eine gewaltige Flut neuer Hormone überschwemmt die werdende Mami. Die bisher fein abgestimmte Symphonie der Organe wird durcheinandergewirbelt und ganz normale, gut eingespielte Vorgänge wie Nahrungsaufnahme oder Toilettengang ändern plötzlich ihre Abläufe. Noch dazu wirft eine Schwangerschaft auch viele neue Fragen auf: Wie geht es mit dem Job weiter? Was macht das mit meiner Beziehung? Fühle ich mich bereit für dieses Kind?

Eine Schwangerschaft ist also eine ziemlich überwältigende und mitunter auch anstrengende Angelegenheit für dich und deinen Körper!

Jede Frau ist anders

Bei manchen Frauen sind die Zeichen einer Schwangerschaft relativ unscheinbar und beeinflussen den Alltag so gut wie gar nicht. Bis auf ein leichtes Flausein am Morgen, etwas mehr Müdigkeit oder ein gelegentliches Ziehen im Unterleib spüren sie kaum Veränderungen. Sie freuen sich über das kleine Leben in ihrem Bauch und sind weiterhin fit oder wenigstens zurechnungsfähig in Beruf und Freizeit. Das kann eine wunderbare Zeit im Leben sein!

Und es gibt Frauen, die freuen sich auch über ihre Schwangerschaft. Aber was sie in den ersten drei Monaten und in gar nicht so wenigen Fällen auch deutlich darüber hinaus aushalten müssen, macht vieles im Alltag gefühlt unmöglich. Von heftiger Übelkeit, die den ganzen Tag in Erbrechen mündet, über mittelschwere Depressionen, die die Betroffene in ein tiefes Loch ziehen oder Kreislaufprobleme, die jede Busfahrt und jeden Spaziergang erschweren - es gibt zahlreiche Beschwerden, die in den gängigen Ratgebern eher nur kurz angedeutet werden und mit einem “besser kleine Portionen essen und sich auch mal was gönnen” abgetan werden. Jeden Tag den Weg zur Arbeit anzutreten, Aufgaben im Haushalt zu übernehmen oder sich um ein weiteres Kind kümmern, wenn man einfach keine Kraft hat, wird zu einer echten Herausforderung.

Was ich dir mitgeben möchte: Du bist nicht allein! Es gibt viele Schwangere, denen es in der “glücklichen Zeit” oder in der “Zeit des Wohlbefindens” (wie die Phase des zweiten Schwangerschaftsdrittels auch genannt wird) nicht gut geht, nur wird dies nicht immer beim monatlichen Freundinnentreff thematisiert. Es fällt sogar ziemlich oft unter den Tisch.

Und: Jede Schwangerschaft ist so individuell wie die Frau, die sie erlebt und wie das Kind, das sie in sich trägt. In gewisser Hinsicht ist es ganz normal, dass du diese Schwangerschaft ganz anders erlebst als andere Schwangere und dass du mit anderen Problemen zu kämpfen hast und andere Lösungen brauchst. Annahme und Akzeptanz der Situation sind sicherlich die ersten Schritte hin zur Linderung der Beschwerden. Denn wenn du dich noch zusätzlich darüber ärgerst, wie es läuft, belastest du dich wahrscheinlich nur unnötig doppelt. 

Zu den Beschwerden kommen Unverständnis und die eigene Frustration

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie körperlich und psychisch belastend eine Schwangerschaft sein kann - und wie einsam man sich fühlen kann, wenn man Fragen wie “Und, läuft alles gut?” fast immer mit “Nein, es ist schlimm.” beantworten muss. Ja, dem Baby geht es gut. Nein, mir geht es richtig schlecht. Leider gehen die Antworten darauf dann meistens in die Richtung “Oh, na Hauptsache dem Baby geht es gut. Dein Leiden ist ja schließlich bald vorbei.” oder “Nach den ersten drei Monaten müsste es doch eigentlich besser werden, was ist los mit dir?” oder “Du siehst das ganz schön zimperlich. Früher mussten wir auch durchhalten.”. Das kann ganz schön belastend sein.

Wie du dir gut tun kannst - Hilfe von Familie und Freunden

Meistens gibt es ein, zwei Menschen, denen man sich anvertrauen kann und die immer für einen da sind. Das können der Partner oder die Partnerin sein, die eigenen Eltern, Geschwister oder enge Freunde. Wenn du merkst, dass es dir schlecht geht und du Hilfe brauchst, wende dich an deine Vertrauens- oder Herzensperson. Weine dich richtig aus (wenn du magst, auch im übertragenen Sinn) und mache klar, dass es dir nicht gut geht. Vielleicht weißt du auch schon, was dir gut tun würde und womit dir deine Herzensperson konkret helfen könnte. Dann sage das auch. Wenn du noch gar nicht weißt, was helfen könnte, frage offen nach Rat. Manchmal liegt die Lösung (oder Erleichterung) näher als man denkt und eine zweite Person sieht sie viel schneller.

Hilfe von Hebammen, Ärzten und Fachpersonal

Bei vielen heftigen Beschwerden ist es ganz wichtig, sie mit deiner Ärztin oder deinem Arzt des Vertrauens und/oder deiner Hebamme abzuklären. Manchmal gibt es körperliche Ursachen, die nur durch weitere Untersuchungen gefunden und beseitigt werden können und manchmal braucht man einfach Hilfe von Experten. Bei einer Depression ist es beispielsweise wichtig, dass sich eine Fachperson anschaut, wie es dir wirklich geht, welchen Grad von Leiden du bereits erreicht hast und ob dir eventuell eine Therapie noch in der Schwangerschaft helfen könnte. Scheue dich nicht, dir professionelle Hilfe zu suchen! Du tust das für dich selbst und für dein Kind. Wenn du ein komisches Gefühl hast bei bestimmten Ärzten oder der Hebamme, wechsele die Betreuung und suche dir jemanden, der zu dir passt und deine Sorgen und Beschwerden ernst nimmt.

Was du dir selbst noch Gutes tun kannst

  • Mach dich nicht fertig durch Vergleiche! Hör auf, dir all die (vermeintlich) glücklichen Schwangeren auf Instagram anzuschauen. Triff dich weniger mit anderen Schwangeren, denen es angeblich “ganz wunderbar und ohne Beschwerden super” geht, wenn dich dies belastet. Triff dich dann eher mit der nicht schwangeren guten Freundin, die immer Tacheles redet und dir etwas Gutes tun möchte.
  • Lenk dich ab! Manchmal hilft es, sich auf etwas ganz anderes zu konzentrieren. Zum Beispiel einen Kurztrip, ein kleines Herzensprojekt, das du schon lange machen wolltest oder Seriengucken mit Freundinnen. Aus meiner Erfahrung ist es immer schwieriger, allein zuhause und ohne weiteren Input mit den Beschwerden umzugehen.
  • Hol dir Hilfe! Deine Hebamme ist schonmal ein guter Ansprechpartner bei vielen Problemen. Sie wird dir auch hilfreiche Kontakte vermitteln können, zum Beispiel zu Doulas, Osteopathen oder Heilpraktikerinnen. Ansonsten natürlich auch und immer wieder deine Frauenärztin oder dein Arzt des Vertrauens.
  • Verwöhne dich! Tu, was dir gut tut! Es ist ganz unterschiedlich, was wir Frauen brauchen, um uns wieder richtig gut zu fühlen. Hör in dich rein: Lass dich von der Arbeit befreien oder arbeite mehr, schlafe ganz viel oder triff dich mit wohltuenden Kontakten, schaue Filme und Serien, die dich wohlfühlen lassen, bepflanze den Balkon oder besuche deinen Bruder, schreib das Buch oder geh schwimmen. Es ist ganz egal, was - Hauptsache, du tust es für dich und NUR für dich.
Du bringst neues Leben in diese Welt - du musst niemandem mehr etwas beweisen!

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    Alles Liebe für dich!
    Anne


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